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09.02.2016 14:17 14:17 Alter: 3 Years
Kategorie: Ausflug und Reise, Urlaub mit Hund
Von: Paashaas

Hoteltest: Bilderberg Chateau Holtmuehle ****, NL-Venlo


Bilderberg Chateau Holtmuehle ****
Kasteellaan 10, 5932 AG Venlo - Limburg, Niederlande
https://www.bilderberg.nl/de/tegelen/chateau-holtmuhle/


Urlaub mit Hund auf einem Schloss in Holland:

Gebucht war das Bilderberg Spezial Arrangement mit Wellnessbereich,  2x Frühstück, 2x 3-Gänge-Menü im Schlosszimmer mit Hund = (gesamt  491,24 €) exklusive Getränke

Kurz hinter der deutschen Grenzen liegt der kleine Ort Tegelen, der zu Venlo gehört. Die hervorragende Autobahnanbindung macht die Anreise einfach. Der erste Eindruck ist beeindruckend: Ein toller Vorplatz, alte Gemäuer und viel Grün umfassen das Wasserschloss Holtmühle. Für die Gäste des Hotels steht ein eigener kostenloser Parkplatz bereit. Alles wirkt sehr gepflegt und liebevoll angelegt.

Durch 2 Glasschiebetüren gelangt man in das Innere und wird mit einem herrlichen Blick auf die Eingangshalle belohnt. Ein freundlicher Mitarbeiter an der Rezeption begrüßt uns mehrsprachig. Deutsch, Holländisch oder lieber Englisch? Wir einigen uns lachend auf eine gute Mischung aus Deutsch-Niederländisch. Freundlich beugt er sich über die Rezeption, um erst einmal auch unseren leicht aufgeregten Hund Tapsy zu begrüßen. Mit unserer Reservierung hat alles hervorragend geklappt, es ist sogar vermerkt, dass wir keinen Fisch zum Abendessen wollen. Schnell bekommen wir unseren Schlüssel zum Schlosszimmer 317 in der 2. Etage. Der freundliche Rezeptionist zeigt uns noch kurz, wo wir speisen können und wo sich Bar und Wellnessbereich befinden. Wir werden nicht gefragt, ob man uns mit eventuellem Gepäck helfen kann, auch wird uns nicht der Weg zum Lift gezeigt. Doch immerhin kuschelt er liebevoll Tapsy und erkundigt sich, ob er denn die Stufen auch gut laufen kann. Also betreten wir die luxuriöse Treppe im Eingangsbereich und sind wahrlich begeistert: Naturstein, Marmor, frische Orchideen, stilvolle Beleuchtung. Sehr beeindruckend.

Leider müssen wir, um zum Zimmer zu kommen, rechts abbiegen, um in den alten Schlossteil zu gelangen. Vorbei der Luxus, statt Schlossfeeling fällt hier ein ehemals wohl sehr schöner, nun jedoch stark verdreckter Teppichboden auf. Staub, alte Farbreste am Boden und insgesamt eine recht lieblose Gestaltung machen den ersten Eindruck ein wenig kaputt. Es gibt einige unschöne Stufen und Kanten. Doch die Treppe ist leicht zu erklimmen. Ist man oben angekommen, entschädigt der herrliche Blick in die Eingangshalle für den Aufstieg.

Der Schlüssel passt und es erwartet uns ein sehr stilvoll eingerichtetes Zimmer mit riesigem Bett, goldenen Vorhängen, alten gemütlichen Fensterchen, vielen kleinen und größeren Schirmlampen und ein wirklich großer Flachbildschirm. Für unseren Hund Tapsy stehen Näpfe und eine Decke bereit. Er ist nicht nur herzlich willkommen, sondern erhält sogar einen wirklich liebevollen holländischen Brief, in dem steht, wie sich Hund und seine Herrchen verhalten sollen, damit alle hier einen tollen Aufenthalt haben. Die besondere Ansprache an den Hund verpackt die Hotelregeln in eine freundliche Atmosphäre und bringt mich gleich zum Schmunzeln. So sind sie halt, die Niederländer. Wir erfahren, dass Tapsy nicht ins Restaurant darf und nicht in den Wellnessbereich, dafür soll es aber direkt am Schloss einen Auslaufbereich für Hunde geben. Tapsy wird freundlich gebeten, doch nicht ins Bett zu springen und nicht allzu lange zu bellen. Da dies alles aber wirklich freundlich und humorvoll geschrieben ist, können wir mit diesen Regeln sehr gut leben. Diese Info ist jedoch lediglich in Holländisch und wird so wohl nicht von allen Gästen so verstanden, wie sie gemeint ist. Auch steht da etwas, dass er sich die bereitgelegten Leckerchen gut schmecken lassen soll, doch die Näpfe sind leer. Wie gut, dass unser Hund nicht lesen kann :-).

Doch insgesamt sind wir auf den ersten Blick wirklich positiv überrascht von der Größe des Zimmers und der liebevollen Ausstattung. Über eine kleine Stufe gelangt man ins lange Badezimmer mit großem Waschbecken, Dusche, Badewanne und Toilette. Zahlreiche Handtücher, Seife, Schaumbad und auch ein Fön liegen bereit. Der herrliche Blick in den Vorhof sorgt für gute Laune. Erst bei näherer Betrachtung werden ein paar Mängel offensichtlich. Auf dem Boden findet man deutliche Spuren von altem Putzmittel und es gibt keine Toilettenbürste. Dennoch ist die Sauberkeit im Bad okay.
Im Flur befindet sich nicht nur eine große Garderobe sondern auch ein Wasserkocher mit einer liebevoll arrangierten Auswahl an Teesorten. Es gibt einen Kühlschrank im Schrank, den ich allerdings fast dort herausgezogen hätte, als ich die Kühlschranktür öffnen wollte – er war nicht befestigt. Bademäntel, Hausschuhe, eine Flasche Wasser und 2 grüne Äpfel liegen auch noch für uns bereit. Ja, hier fühlt man sich wirklich willkommen. Eine gemütliche Sitzecke mit 2 bequemen Sesseln sorgt zusätzlich für Gemütlichkeit in dem angenehm aufgeheizten Zimmer. Leider ist auch hier der ausgelegte Teppich ehemals wohl sehr schön gewesen, jetzt aber abgenutzt und nicht wirklich sauber. Die Schreibtischlampe ist im Gehäuse gerissen, doch ansonsten ist alles nach unserem Geschmack, obwohl ich mit ein „kasteelkamer“ = Schlosszimmer doch irgendwie ursprünglicher vorgestellt hatte.

Dann ist es auch schon Essenszeit. Wir bringen Tapsy ins Auto, weil wir ihn noch nicht alleine in der neuen Umgebung lassen wollen und begeben uns dann in das gewölbte Restaurant mit altem Gemäuer und einem herrlichen Blick auf die von Wasser umgebene Terrasse. Ein freundlicher Kellner begleitet uns zum Tisch, den wir uns frei auswählen können. Er spricht fließend Deutsch und freut sich über mein gebrochenes Holländisch. In dem stilvollen Ambiente mit Stoffservierten, Kerzenschein und elegant-rustikaler Einrichtung fühlen wir uns direkt wohl. Es ist gehoben, jedoch auch nicht zu übertrieben. Hier kann man es sich wirklich gutgehen lassen. So nehmen wir in herrlich bequemen Sesseln am Fenster Platz und werden auch direkt nach unseren Getränkewünschen gefragt. Trockener Rotwein und Mineralwasser.
Es folgt eine ausgiebige Erklärung zu diversen Weinen und wir sind ein wenig überfordert, doch auch positiv überrascht. Letztendlich wählen wir dann 2 verschiedene trockene Rotweine und müssen sagen, der Kellner hat unseren Geschmack sehr gut getroffen.
Zum selbstgebackenen Brot mit gesalzener Butter bekommen wir noch eine kleine Karte mit Zusatzvorspeisen gereicht. Ich wähle die „Leckerbissen“ mit Wasabi und Co. und werde gleich belehrt, dass es die nun doch nicht gibt. Hm, also nehmen wir beide den Schinken.
Dieser wird dann nach kurzer Zeit auf kleinen Granitplatten serviert. Er ist von einen besonderen Schwein hier aus der Region und schmeckt sehr gut. Ob er jedoch die zusätzlichen 5,- € p. P. wert ist, mag jeder selbst beurteilen. Dann wird uns die Speisekarte gereicht zu unserem reservierten 3-Gänge-Menü (37,- € p. P.). Man hätte hier für Vorspeise, Hauptgericht und Nachtisch jeweils die Wahl aus 2 Gerichten. Da wir keinen Fisch wollen, ist unsere Auswahl sehr beschränkt, oder besser gesagt nur beim Dessert überhaupt gegeben. Denn es stehen nur jeweils 1 Gericht mit Fisch und 1 mit Fleisch zur Auswahl. Also bestellen wir beide das Gleiche: zur Vorspeise eine Variation aus Steak Tartar, Filet American und Carpaccio; zum Hauptgang Livar mit gegrilltem Gemüse und Backkartoffel mit Speck und zur Nachspeise dann 1x die Käseplatte (+ 2,50 € extra!) und Passion – Schokovariationen mit Passionfrucht.
Um die Wartezeit zu überbrücken bekommen wir einen Bitterballen vom Champignon serviert. Sehr schmackhaft!
Die Vorspeise ist gut, wenn sie auch durch das rohe Fleisch beim Steak Tartar und Filet American nicht ganz meinen Geschmack trifft. Das Carpaccio wird mit zusätzlich altem Käse serviert und ist hervorragend. Zum Steak Tartar gibt es außerdem kleine Kartoffelchips und ein bei 69 Grad gegartes Onsen- Ei. Wirklich delikat.
Der Hauptgang ist bedauerlicherweise sehr klein, wenn auch lecker. Beim Livar handelt es sich um ein spezielles Klosterschwein aus Limburg, das in 2 verschiedenen Zubereitungsarten serviert wird, einmal kleine Streifen in Niedergarmethode hergestellt und einmal als eine Art Kassler in feinsten runden Scheiben serviert. Beides eher ungewöhnlich, aber schmackhaft. Die Backkartoffel erweist sich als kleinstes Kartöffelchen mit Speckummantelung, das Grillgemüse ist saftig und gut. Auch die Bratensoße passt geschmacklich hervorragend. Rein quantitativ hätte es aber deutlich mehr sein dürfen als Hauptgang.
Unschlagbar gut dagegen ist mein Schokoladendessert, das zusätzlich mit Sternaniseis gekrönt wird. Ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Die Freude bei der Käseplatte hält sich jedoch in Grenzen. 5 eher unscheinbare Käsescheibchen mit süßem Senf, etwas Brot und Obst-Chudney, welches wohl die angekündigten Südfrüchte darstellen sollte, können nicht wirklich überzeugen.
Wirklich hervorragend war an diesem 2.5 stündigem Menü jedoch der Service: charmant, informativ, aufmerksam und freundlich, doch zu keinem Moment aufdringlich. Wir haben uns fantastisch betreut gefühlt.

Der anschließende Verdauungsspaziergang mit unserem Hund im Schlossgelände war einfach herrlich. Viel Natur und direkte Auslaufmöglichkeit machen den Aufenthalt für Hundebesitzer und Naturfreunde sehr entspannt. Durch die sanfte Außenbeleuchtung wirkt alles sehr romantisch und einladend.
Den restlichen Abend verbringen wir im Hotelzimmer, genießen das wirklich gute Bett und die 3 deutschen Fernsehsender (ARD, ZDF, WDR) und sind rundum zufrieden. Auch der Internetzugang vom Hotel ist gratis und klappt selbst in diesem abgelegenen Schlosszimmer gut.
Insgesamt ist es erstaunlich ruhig, obwohl das Schloss zahlreich belegt ist. Störende Nebengeräusche gibt es kaum. So wundert es nicht, dass wir eine wirklich erholsame Nacht haben.

Das Frühstücksbuffet am nächsten Morgen überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Wir nehmen es in dem gleichen Restaurant ein und werden freundlich begrüßt. Uns fehlt es an nichts, die Auswahl ist gut, wenn auch nicht exquisit. Doch wer auf Luxus setzt, was bei dieser Preisklasse ja auch zu erwarten wäre, könnte folgende Dinge vermissen: Fisch, Sekt und Dauerwurst fehlten genau wie kleine Würstchen. Doch der Rest war in guter Auswahl vorhanden: Brot und Brötchen in vielen Variationen, diverse Frischwurst und Käsesorten, Kochschinken und Roastbeef, frisches Obst, Müsli, Marmelade, Joghurt, Eier mit Speck, Rührei mit Lachsstreifen und auch das gute gekochte harte Ei waren vorhanden. Die Präsentation war ansprechend, sauber und übersichtlich, wenn auch ein wenig dekorationslos. Zusätzlich gab es Kaffee und Tee, Säfte und Milch an einer Bar mitten im Speisesaal. Dort durfte man sich ebenfalls selbst bedienen, die Getränke wurden einem jedoch auch zusätzlich vom Personal an den Tisch gebracht. Der Service war wieder einwandfrei.

Gut gestärkt konnten wir also die Umgebung erkunden. Ganz in der Nähe befindet sich das Klosterdorf Steyl, das wirklich sehenswert ist und zusätzlich zu herrlichen Spaziergängen an der Maas einlädt. Dort kann der Hund auch frei laufen und am/im Wasser toben.

Als wir nach dieser schönen Runde gegen Mittag zurück ins Hotel kommen, ist der Zimmerservice in unserem Zimmer bereits fertig, die Qualität jedoch nur mäßig. Es war grob aufgeräumt worden, doch weder Schreibtisch, Garderobe noch Nachtschränkchen waren richtig geputzt. Es gab noch Flecken und Staub. Das Badezimmer dagegen war okay und sauber.

Auf der anderen Maasseite, mit dem Auto nicht wirklich weit entfernt, finden wir einen herrlichen Wald mit gut befestigten Wanderwegen, Dünensandgebieten und einigen Teichen – ein Naturparadies für Mensch und Tier. Hier findet man Erholung pur.
Auch bis Venlo-Innenstadt, der 2 Gebrüdern und Co. sind es nur wenige Kilometer. Doch da an diesem Samstag dort ein großer Karnevalsumzug ist, sparen wir uns diesen Besuch. Das wollen wir weder uns noch unserer Schnuffelnase antun. Im Umfeld des Schlosses gibt es genug zu erkunden, sodass der Tag viel zu schnell vergeht.

Gerne hätten wir auch noch den wirklich einladenden Wellnessbereich des Schlosses getestet, doch eine Erkrankung machte uns diesbezüglich einen Strich durch die Rechnung. Von daher können wir hierzu leider nichts sagen, außer, dass es gut aussah.

Die Ernüchterung kam dann allerdings beim Abendessen: Es gab genau die beiden Variationen wie am Abend davor – keine Abwechslung. So wurde uns erneut das gleiche Essen serviert, noch dazu von einem anderen Koch, der nicht an die Qualität des Vortages herankam. Das Livar war zäh, das Grillgemüse zu sehr durchgegart und auf unseren beiden Tellern noch nicht einmal identisch. Auch stimmte die Qualität des Services nicht mehr so ganz. Die einzelnen Gerichte wurde nicht erklärt oder nur ansatzweise, uns wurden weder Getränke nachgeschenkt noch wurde gefragt, ob wir noch etwas bestellen wollten. Lange Wartezeiten zwischen den Gängen waren nicht nur bei uns, sondern auch bei den anderen Gästen der Normalfall. So sah man an diesem Abend deutlich mehr gelangweilte und enttäuschte Gesichter im Restaurant. Ein wirklich krasser Unterschied zum Vorabend. Sehr schade! Es war ein anderes Serviceteam und bei weitem nicht so liebevoll wie am Freitag.
Dennoch haben wir dieses Essen mit einem Lächeln beendet. Denn am Ausgang stand unser Kellner vom Vorabend und begrüßte uns voller Freude und Herzlichkeit in typisch niederländischer Manier und hat so die „Ungeschicktheit“ seiner Kollegen wieder etwas wettgemacht.

Noch einmal haben wir eine wirklich ruhige und erholsame Nacht verbracht und am nächsten Morgen erneut sehr gut gefrühstückt. Hier stimmte wieder alles. Dann ging es ans Auschecken. Wir wurden freundlich verabschiedet, konnten problemlos mit Kreditkarte bezahlen und haben das Hotel so in wirklich guter Erinnerung behalten.

Von daher lautet unsere Zusammenfassung in Punkten:

(0 Punkte: miserabel – 10 Punkte: hervorragend)

 

Ambiente

9

Umgebung/Lage

9

Hotelzimmer

8

Sauberkeit

5

Service Rezeption:

9

Service Restaurant:

7-10 (je nach Team)

Speisen/Getränke:

6

Wellnessbereich:

 - nicht getestet

Für den Hund:

7

Preis-/Leistungsverhältnis:

6

Wohlfühlcharakter gesamt:

7